Fleisch und Gewürze

Am 16. Juli 2010 war Alexander Süßmair auf Sommertour in Kulmbach (Oberfranken). Er besichtigte das Max-Rubner-Institut für Sicherheit und Qualität bei Fleisch und das Gewürzwerk Raps. Anschließend stand er den Bürgerinnen und Bürgern in der Kulmbacher Innenstadt für Gespräche zur Verfügung und berichtete in einer Abendveranstaltung über aktuelle Themen aus dem Bundestag.

Max-Rubner-Institut - Sicherheit und Qualität bei Fleisch

Vor dem Institut warteten schon einige GenossInnen auf mich. Es war noch Zeit für einen kurzen Gedankenaustausch. Dann ging es ins Institut.

Wir wurden freundlich begrüßt und in einen großen Konferenzsaal geführt, wo uns das Institut und seine Aufgaben ausführlich vorgestellt wurden. Das Max-Rubner-Institut (MRI) ist eine Bundeseinrichtung, die direkt dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) untersteht. Das MRI besteht aus mehreren Instituten, in Kulmbach befindet sich das für Sicherheit und Qualität bei Fleisch, außerdem ein Teil der Arbeitsgruppe Analytik. Überdies entsteht dort ein internationales Kompetenzzentrum für Fleischqualität, wodurch weitere Forschungsprojekte und dadurch bis zu 15 zusätzliche Mitarbeiter erhofft werden.

Finanziert wird das Institut hauptsächlich durch das BMELV, aber auch durch Drittmittel der EU, des Forschungsministerium, von Länderministerien und der Wirtschaft. Alle Forschungsergebnisse müssen veröffentlicht werden, auch die von Drittmittelprojekten.

Irgendwie kam das Gespräch ganz beiläufig auf Agrogentechnik. Hier gab es einen kurzen, sehr kontroversen Disput. Wir als LINKE konnten uns natürlich der Auffassung eines Institutsmitarbeiters nicht anschließen, der die Lösung des Welthungerproblems bei der Agrogentechnik sieht und die Einführung der Agrogentechnik in Deutschland vehement forderte. So musste ich eben unseren Standpunkt unmissverständlich klar machen.

Beim anschließenden Rundgang durch das Institut wurde uns die Vielfalt und Praxisnähe der Forschungsthemen anschaulich vermittelt: Versuchsmetzgerei, Wurstküche, Cutter, Räucheröfen, Anlagen zur Fleischkonservenherstellung, Labore mit Gaschromatographen und Massenspektrometern, Isotopenlabor und Strahlungsmessungslabor, Computertomograph, PCR-Labor. Das Entwickeln von Untersuchungsmethoden, die später von Untersuchungsbehörden angewendet werden können ist ein wichtiger Schwerpunkt. Geräte zur Fleischverarbeitung werden ebenso untersucht wie Räucherverfahren. Erwünschte und unerwünschte Bestandteile von Fleisch und Fleischprodukten sind ein weiteres Thema. Aber auch Tester für die sensorische Fleischproduktprüfung werden hier ausgebildet und geprüft.

Die Gespräche und das Gesehene haben mich in meiner Haltung bestätigt, dass die angewandte Forschung im Ressort des BMELV von grundlegender Bedeutung ist, weil hier durch systematische Langzeitforschung auf sehr hohem Niveau Grundlagen erarbeitet werden, die für die politische Entscheidungsfindung unabdingbar sind.

Es war absolut richtig, dass meine Fachkollegin Kirsten Tackmann und ich uns bei den Haushaltsberatungen im ELV-Ausschuss dafür einsetzten, dass mehr Geld in die Ressortforschung für Agrar und Ernährung fließen - bisher leider vergeblich, weil die Regierungsmehrheit das anders sah.

Wir werden dies bei den nächsten Haushaltsberatungen wieder zu einem unserer Anliegen machen. Denn es zeigt sich im Ausschuss immer wieder, dass es Fragestellungen gibt, für die dem Ministerium und den Fachpolitikern einfach noch zu wenig Fakten zur Verfügung stehen. Hier ist also intensive Forschung nötig. Das habe ich den Institutsvertretern auch gesagt.

 

Gebackene Göttinger

Nach der Besichtigung hatten alle Hunger. Allzu viel Zeit bis zum nächsten Termin war nicht mehr. Hatten wir vorhin nicht eine Imbissbude am Straßenrand. Die Imbissbude entpuppte sich als ziemlich groß, mit einem Gastraum im Inneren, der vor allem im Schatten lag. Das Angebot war ziemlich umfangreich. Es gab - für einen Schwaben sonderbares - etwa gebackene Göttinger in Leberkäseform. In Kulmbach scheint das eine beliebte Spezialität zu sein.

 

Gewürzwerk Raps

Dem Verbraucher ist die Firma eher unbekannt, dem Fleisch- und Lebensmittel verarbeitenden Handwerk und der Industrie um so mehr. Raps produziert ausschließlich für gewerbliche Abnehmer.

Hier trafen wir den Betriebsrat zu einem ausführlichen Gespräch, erfuhren viel interessantes. So sind die MitarbeiterInnen sehr gut gewerkschaftlich bei der NGG organisiert. Es gibt keine Leiharbeiter. Jede gearbeitete Minute wird auch bezahlt. Die Mitarbeiter sind motiviert. Die Firmenleitung weiß, was sie an ihnen hat. Ausgelernte werden meist übernommen oder zumindest noch eine Zeit weiterbeschäftigt, damit sie es leichter haben beim Bewerben. Der Firma geht es gut. Es gibt ein Standardsortiment an Gewürzmischungen, es wird aber auch ganz nach Kundenwünschen produziert, egal wie „exotisch“ diese sind. Die Entwicklung neuer Produkte ist wichtig, ebenso die laufende Kontrolle der Qualität.

Anschließend durften wir das Werk besichtigen. Wir bekamen einen weißen Kittel und Haarschutz. Dann ging’s zur Schleuse. Dort war Händewaschen und Desinfektion in mehreren Stufen angesagt. Auch die Schuhe wurden desinfiziert. Das hat uns schon mal beeindruckt.

Nun durften wir in die Produktionshalle. Ein Duft aus tausend und einem Gewürz erwartete uns. Wir sahen Waagen, Mischer, Transporteinrichtungen, Förderbänder, Abfüllanlagen, Bigpacks, Säcke, Paletten und Hochregale. Menschen sahen wir wenige, weil gerade Pause war. Noch ein kurzer Gang durch die Auslieferungshalle. Wir staunten, wohin überall die Ware geht. Wir waren sehr beeindruckt vom Rundgang - vor allem von den Größen und Dimensionen.

Zum Abschluss noch ein paar Erinnerungsfotos mit den Kollegen und Genossen draußen am Firmenschild.

 

Bürgersprechstunde

Inzwischen war es noch heißer geworden. Wir fuhren in die Kulmbacher Innenstadt zur Bürgersprechstunde. Zum Glück gab es dort ein paar Bänke, eine Eisdiele, eine Würstelbude mit kühlen Getränken - so konnte man es trotz brütender Hitze einiger Maßen aushalten. Allzu viele Leute waren nicht unterwegs, ein paar Gespräche ergaben sich aber doch. Einer, mit dem wir uns länger unterhielten meinte: „Ich finde es nicht richtig, wie die anderen Parteien Euch behandeln.“ Stimmt.

Auf jeden Fall war Gelegenheit, sich ausführlich mit den Genossen zu unterhalten. Wir erfuhren, dass die Burg der Guttenbergs, ganz in der Nähe, beim Bauernaufstand im 16. Jahrhudert niedergebrannt wurde - allerdings später, nachdem die Bauern niedergemetzelt waren, wieder aufgebaut wurde. Heute gehört sie dem Verteidigungsminister.

 

Vortrag und Diskussion

Zum Abschluss noch ein Vortrag mit Diskussion in einem urigen Wirtshaus. Im Mittelpunkt des Interesses stand die Wirtschafts- und Finanzkrise. Als ich auf die Spar- oder besser Kürzungspläne der Regierung zu sprechen kam, die vor allem die Armen trifft und die Wohlhabenden ungeschoren lässt, kam es verständlicherweise zu entsprechend deutlichen Kommentaren seitens der Zuhörer. Die Wut wächst bei den Menschen. Die Diskussion war sehr lebhaft, die Anwesenden sehr interessiert. So  wurde es dann doch 22:30 Uhr bis ich mich auf meinen langen Heimweg machte.

Es war ein anstrengender, aber auch ein interessanter und schöner Tag. Ich habe engagierte und sympathische Genossinnen und Genossen kennen gelernt. Ich werde gerne wieder kommen.

 

Alexander Süßmair