26. Januar 2012 Alexander Süßmair, MdB - Rede im Bundestag/Text (zu Ptotokoll gegeben)
Tagesordnungspunkt 22: Erste Beratung des von Bündnis 90/ Die Grünen eingebrachten Antrags Regionale Produktions-, Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen stärken 17/ 7249
Zur Stärkung der ländlichen Räume reicht eine regionale Wirtschaftsförderung alleine nicht aus. DIE LINKE fordert ein umfassendes Programm für die ländlichen Räume. Frauen müssen gezielt gefördert werden, die Finanzsituation der Kommunen muss verbessert werden, Infrastruktur und Daseinsvorsorge müssen ausgebaut werden. Ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn muss eingeführt werden. Außerdem darf die regional erzielte Wertschöpfung nicht von dort abfließen.
Alexander Süßmair (DIE LINKE):
Sehr geehrte/r Frau/Herr Präsident/in,
sehr geehrte Damen und Herren,
das Thema Regionale Wertschöpfung, das Bündnis 90/Die Grüne mit dem Antrag aufruft, ist wichtig und viele Aspekte, die im Antrag enthalten sind, haben eine breite politische Mehrheit. Natürlich fordert auch die LINKE eine Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe als Beitrag gegen die Landflucht, das soziale Ausbluten ländlicher Regionen, für Klimaschutz und Ressourcenschonung.
Schade nur, dass der erste Satz im Antrag gleich mit dem Begriff „Green New Deal“ anfängt und so tut, als ob die Stärkung regionaler Wertschöpfung allein eine Sache der Grünen wäre. Zudem klingt der Begriff für mich nach neoliberaler Ideologie im grünen Gewand. Dieser Eindruck wird noch verstärkt, wenn man weiterliest, dass „ der Aufbau regionaler Wirtschaftsstrukturen Menschen die Chance gibt mit ihrem Engagement und Konsumverhalten Verantwortung für ihre Gemeinde und ihre Region zu übernehmen. Das schafft neues Selbstbewusstsein vor Ort und ist fruchtbarer Boden für unternehmerische Tätigkeit und ein verstärktes Bürgerengagement“.
Ihr Motto lautet also: Läuft die „regionale“ Wirtschaft, sind alle Probleme gelöst, weil das neue Selbstbewusstsein Unternehmertum und verstärktes Bürgerengagement auslöst. Das ist im Kern neoliberales Gedankengut und auch in den Forderungen kommt dann ein Programm der direkten und indirekten Wirtschaftsförderung heraus. Aber genau diese Ideologie ist weltweit grandios gescheitert und hat zum Niedergang der ländlichen Räume maßgeblich beigetragen.
Breiten Raum nimmt das öffentliche Beschaffungswesen als Vorbildfunktion ein und der Ausbau von Förderprogrammen als Bundesprogramm „Regionalvermarktung“ oder im Rahmen der Programmgestaltung der „Gemeinschaftsaufgabe Agrarstrukturentwicklung und Küstenschutz“.
Das sind alles, auch aus Sicht der LINKEN, richtige Forderungen, die wir auch unterstützen können. Aber trotzdem bleibt der Antrag unter den Möglichkeiten, die im Zusammenhang mit einer Politik zur Stärkung ländlicher Räume notwendig sind. Dazu an dieser Stelle vier Aspekte:
Abschließend möchte ich feststellen: der Antrag der Grünen hat zwar ein richtiges und wichtiges Thema aufgenommen und spricht auch vieles an.
Er bleibt aber in vielen Aspekten hinter dem zurück, was dringend zur Stärkung der ländlichen Räume notwendig wäre. DIE LINKE wird in den nun folgenden Beratungen diese Punkte deutlich machen und mit Ihnen diskutieren.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.